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Wege aus der Stille – Cochlea-Implantat

Jeder 15. Mensch in Deutschland ist schwerhörig. Die Ursache ist oft unklar: Von Altersschwerhörigkeit bis hin zur Gehörschädigung durch Lärm - Gründe gibt es viele. Wer nicht mehr richtig hört, dem droht soziale Ausgrenzung. Reicht ein gewöhnliches Hörgerät nicht mehr aus, müssen andere Methoden angewandt werden, wie etwa das Cochlea-Implantat, ein kleines, technisches Wunderwerk, das Stimmen, Geräusche und Lebensqualität zurück bringen kann. Mit einem solchen Implantat können Menschen mit Innenohrtaubheit wieder hören und verstehen.

 

Leben unter einer Glocke

 

 

15 Millionen Deutsche hören schlecht, schätzen Experten. Betroffen sind überwiegend ältere Menschen, aber auch immer mehr Kinder und junge Erwachsene sind betroffen. Fast die Hälfte von ihnen ist mindestens mittelgradig schwerhörig, so eine Studie der Universität Witten-Herdecke. Doch weil wir das Hören als etwas ganz Selbstverständliches hinnehmen, wird vor allem ein schleichender Hörverlust erst spät bemerkt und behandelt. Hinweise auf schlechtes Hören gibt es im Alltag viele: bei Fernseher und Radio muss die Lautstärke hochgedreht werden, im Gespräch mit Freunden muss häufiger nachgefragt werden, die geliebte Opernaufnahme klingt plötzlich fad und schlecht. Oft sind es Partner, Angehörige und Freunde, die auf das schlechte Hören hinweisen. Schwerhörigkeit aber hat meist dramatische Auswirkungen auf den Alltag und bedeutet einen Verlust an Lebensqualität. Man mag nicht mehr telefonieren, oder ins Restaurant essen gehen oder sich mit Freunden in geselliger Runde treffen. Gerade in solchen Situationen hören Schwerhörige besonders schlecht, weil unterschiedliche Klangeindrücke durcheinander wirken. Viele Schwerhörige bezeichnen diesen Zustand als „Leben unter einer Glocke“, sie ziehen sich zurück, manchmal kann das sogar zur Vereinsamung führen. Bleibt die Schwerhörigkeit lange unbehandelt, verlernt zudem das Hörzentrum im Gehirn, die verschiedenen Höreindrücke zu differenzieren. Wird dann ein Hörgerät angepasst, muss das Hören erst wieder erlernt werden. Deshalb: im Zweifel das eigene Hörvermögen beim Facharzt oder Akustiker testen lassen!

Schwerhörigkeit

Je nach Ursache und Ort der Schädigung werden zwei Arten von Schwerhörigkeit unterschiedenen, die Schallleitungs- und die Schallempfindungsschwerhörigkeit.

A. Schallleitungsschwerhörigkeit(SLS; syn: Mittelohrschwerhörigkeit)
Bei dieser Form der Schwerhörigkeit ist die Schallübertragung im äußeren Ohrbereich oder im Mittelohr gestört. Sehr häufig gibt es dafür eine vorübergehende Ursache, beispielsweise eine akute Entzündung, viel seltener aber stecken dahinter Defekte im Bereich der schallübertragenden Strukturen wie bspw. des Trommelfells oder der Gehörknöchelchen. Solche strukturellen Defekte können dann sowohl erworben als auch angeboren sein. Als mögliche Ursachen kommen in Frage:

Die Therapie der Schallleitungsstörungen richtet sich nach deren Ursache. Beispielsweise werden Infektionen häufig antibiotisch behandelt, ein Ohrenschmalzpfropf kann entfernt werden, vergrößerte Rachenmandeln können chirurgisch verkleinert werden.

B. Schallempfindungsschwerhörigkeit (SES; syn: Innenohrschwerhörigkeit, Hörnervenschwerhörigkeit)
Durch einen Schaden im Innenohr, seltener am Hörnerv oder im Hörzentrum des Gehirns selbst, ist die Schallwahrnehmung gestört. Die Schallleitung ist dabei erhalten, die Schallsignale kommen zwar an, werden aber verändert oder gar nicht wahrgenommen oder können nicht verarbeitet werden.

 
Neben einer genetisch bedingten, einer angeborenen oder in der frühen Kindheit erworbenen Schwerhörigkeit (s.o) kommen folgende Erkrankungen als Ursache in Frage:

  • 1. Am häufigsten wird die Schwerhörigkeit durch ein akutes oder chronisches Schalltrauma verursacht, so genannte Lärmschwerhörigkeit.
  • 2. Hörsturz – plötzlich auftretender Hörverlust, bei vier von fünf Betroffenen mit begleitenden Ohrgeräuschen (Tinnitus). Hinzu kommen Schwindel und ein Druckgefühl im Ohr. Auch hier ist die Ursache noch immer ungeklärt, daher gibt es bislang auch keine zielgerichtete Therapie. Allerdings heilt die Erkrankung in über der Hälfte der Fälle spontan wieder aus.
  • 3. Altersschwerhörigkeit. Die Zellalterung wird durch Stoffwechselstörungen besonders als Folge von chronischer Lärmbelastung begünstigt.
  • 4. Auch chronische Krankheiten verschlechtern unser Hören. Meist deshalb, weil dann das Innenohr schlechter durchblutet wird, beispielsweise bei Bluthochdruck, Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen.
  • 5. Akute Infektionen wie z.B. Hirnhautentzündungen durch unterschiedliche Erreger, Gürtelrose am Ohr (syn. Zoster oticus), Mumps, Syphilis, Toxoplasmose, Borreliose, Masern, Scharlach, Typhus, Fleckfieber, Brucellose.
  • 6. Auch eine Infektion des Innenohres bspw. als Folge einer unbehandelten Mittelohrentzündung (syn. Labyrinthitis) kann zu einer Schallempfindungsstörung führen.
  • 7. Vergiftungen, beispielsweise durch Medikamente, die den Hörnerv schädigen. Zum Beispiel durch Antibiotika (bspw. Aminoglykoside oder Vancomycin), die vor allem im Krankenhaus bei lebensgefährlichen Infektionen eingesetzt werden, bei hochdosierter Therapie von Entwässerungsmitteln (Diuretika), bei örtlichen Betäubungsmitteln und Arzneimittel zur Chemotherapie bei einer Krebserkrankung (z.B. Cisplatin, Bleomycin oder Vincristin). Auch eine Überdosierung von Aspirin kann zu einer Schallempfindungsschwerhörigkeit führen, die jedoch in der Regel wieder verschwindet.
  • 8. Menière-Krankheit (syn. Morbus Menière), einer Erkrankung des Innenohres, bei der die Betroffenen über das anfallsweise Auftreten von schweren Drehschwindelattacken mit teilweise heftiger Übelkeit, einseitigem Hörverlust und Ohrensausen (Tinnitus) klagen. Auch hier ist die Krankheitsursache noch nicht hinreichend geklärt, vermutet wird ein Stau im Lymphsystem des Innenohres. Behandelt wird symptomatisch, gelegentlich sind Operationen nötig.
  • 9. Als seltenere Ursachen sind Schädel-Hirn-Verletzungen, Schädelbrüche, Tumore, Vergiftungen durch Arbeitsstoffe wie bspw. Benzolverbindungen, Blei, Fluor, Kohlenmonoxid, Quecksilber, Schwefelkohlenstoff.
 

Cochlea-Implant

Hilfe gegen Schwerhörigkeit bietet für die meisten Menschen ein Hörgerät. Reicht das aber nicht mehr aus, um Töne oder die Worte des Gegenübers zu verstehen, dann kann ein künstliches Gehör oder Innenohrimplantat, das sogenannte Cochlea-Implantat (CI), den Weg zurück aus der Stille bahnen. Ertaubten und hochgradig schwerhörigen Menschen ermöglicht das kleine Wunderwerk ein beinahe ganz normales Leben. Bis Ende 2011 wurden in Deutschland über 30.000 solcher Hörprothesen eingesetzt. Dabei übernimmt das Cochlea-Implantat die Funktion der Haarzellen des Innenohres, indem ein hinter dem Ohr getragener Sprachprozessor auf der Kopfhaut die über ein Mikrofon aufgenommenen Töne in elektrische Signale umwandelt. Dieser Prozessor schickt die aufgenommenen Signale über eine Sendespule zum eigentlichen Implantat, das hinter dem Ohr unter die Kopfhaut eingepflanzt wurde. Die Elektroden werden direkt in der Hörschnecke (Cochlea) implantiert und so direkt an den Hörnerv weiter geleitet. Denn bei den Betroffenen ist zwar die Schalleitung intakt, die Haarzellen des Innenohres aber sind geschädigt und somit ist das Innenohr nicht in der Lage, die aufgenommenen Hörempfindungen adäquat wahr zu nehmen und weiter zu verarbeiten. Daher muss das Signal direkt an den Hörnerven geleitet werden.
Nachbehandlung entscheidend
Die Signalübertragung erfolgt mittels Hochfrequenzwellen, die elektrischen Reize in der Hörschnecke erzeugen jedoch beim CI-Träger andere, sehr individuelle Hörempfindungen, die sich teilweise erheblich vom Hören eines Gesunden unterscheiden können. Das Einsetzen des Gerätes geschieht unter Vollnarkose, entscheidend für den Erfolg ist jedoch die Nachbehandlung, denn das Gehirn muss nun wieder lernen, die "neuen" Geräusche korrekt bekannten Hörmustern zuzuordnen. Genau deshalb ist ein intensives, oft langes Hörtraining nach der Implantation nötig, unter Umständen kann es zwei bis drei Jahre dauern, bis man die gesprochene Sprache oder andere akustische Signale wieder richtig versteht. Das hängt davon ab, ob der Betroffene vorher hören konnte oder wie lange vorher seine Taubheit bestand. Denn das Gehirn kann das Hören auch verlernen - je länger die Schwerhörigkeit oder Ertaubung besteht, desto schlechter die Prognose über den Erfolg eines Cochlea-Implantats. Taub geborene Kinder sollten noch als Babys das Implantat erhalten, bei tauben Erwachsenen, die schon vor oder während des Spracherwerbs ertaubt sind, wird nicht zu einer CI-Versorgung geraten, da ein lautsprachliches Verstehen in der Regel nicht zu erwarten ist. "Es hat sich gezeigt, dass die ersten zwei bis drei Lebensjahre für den Spracherwerb essenziell sind", sagt Professor Timo Stöver. "Ist ein Kind in dieser Zeit taub, bildet sich in seinem Cortex auch kein Hörzentrum aus. Also sollte Kinder schon vor der Phase des Spracherwerbs das Implantat erhalten."
 

Hörgeräte – mit einem Hilfsmittel zurück in die Welt

Gegen die Schwerhörigkeit gibt es inzwischen eine Vielzahl technisch unterschiedlicher Hörgeräte. Prinzipiell bestehen sie aus einem Mikrofon, das die Umgebungsgeräusche aufnimmt, diese werden mittels eines digitalen Verstärkers und eines Lautsprechers dann an das Ohr übermittelt. Voraussetzung für eine Hörgeräteversorgung ist also ein funktionierendes Schallempfinden; das Innenohr muss also in der Lage sein, die Töne an die Hörnerven weiter zu geben. Ist die Schallleitung im Mittelohr gestört, kommen alternativ so genannte Knochenleitungshörsysteme in Frage, bei denen der vom Mikrofon aufgenommene Schall direkt über den Knochen zum Innenohr weiter geleitet wird. Die Signalverarbeitung von Hörgeräten kann analog oder digital erfolgen, bei Letzterem sind komplexe Verarbeitungsalgorithmen möglich, die unterschiedliche Einstellungen für unterschiedliche Hörsituationen erlauben. Fortschrittliche Hörgeräte können Wind- und Störgeräusche erkennen und reduzieren dann automatisch die Verstärkung. Vom relativ einfachen Modell bis zu so genannten "High End Geräten", die mit mehreren Richtmikrofonen arbeiten, viele Störgeräusche von vorneherein reduzieren und reichlich Zusatztechnik für besondere Hörsituationen bieten, gibt es eine breite Vielfalt. Um wirklich das individuell geeignete und beste Gerät zu finden, ist eine gute Beratung durch den Fachmann und ein Hören auf Probe mit verschiedenen Geräten nötig. Die Kosten für ein durchschnittliches Hörgerät trägt die Kasse, viel Technik und verfeinerte Hörmöglichkeiten aber haben ihren Preis. Pro High-End-Hörgerät sind dann Zuzahlungen von rund 800 bis durchaus mehr als 3.000 Euro möglich.

Tipp: Zwar zahlen die Kassen Festbeträge für Hörgeräte, reichen aber die „"normalen Kassengeräte" für ein ausreichendes Hören nachweislich nicht aus, müssen die Krankenkassen auch höhere Kosten erstatten, so ein Urteil des Bundessozialgerichtes.
Mehr dazu auf den Internetseiten des Deutschen Schwerhörigenbund:
www.schwerhoerigen-netz.de/MAIN/home.asp
oder: www.schwerhoerigen-netz.de/MAIN/ratg.asp?inhalt=HOERGERAETE/uebersicht
 
Beratung und Service sind entscheidend
Viele Menschen, vor allem Ältere besitzen ein Hörgerät. Aber sie tragen es einfach nicht. Weil das Hören doch so anders ist, sagen viele. Oder weil die Bedienung zu kompliziert, das wiederkehrende Pfeifen nicht abzustellen ist, die Batterien an den oft kleinen Geräten dauernd gewechselt werden müssen. Dass auch mit Hörgerät oft schlecht gehört wird, hat zwei wesentliche Gründe: Einerseits warten die meisten viel zu lange, oft viele Jahre, bis sie sich zur Anschaffung eines Hörgerätes entschließen. Leider hat in dieser Zeit das Hörzentrum im Gehirn verlernt, wie "das Hören geht". Schon deshalb klingt alles so anders als früher, hinzu kommt die oft scheinbar komplizierte Technik und die viel zu kleinen Knöpfe und Hebel, mit denen die Finger Älterer ihre Schwierigkeiten haben. Deshalb ist vor dem Kauf die gute, ausführliche und auf eben diesen einen Betroffenen zugeschnittene Beratung durch einen versierten Hörgeräte-Akustiker immens wichtig. Und: Hörgeräte sollte und muss man vor dem Kauf für einige Zeit tragen und ausprobieren. Die entsprechenden Fachgeschäfte bieten das an. Am häufigsten klagen Hörgeräteträger über die kurze Betriebsdauer der Batterien, die manchmal nach kaum hundert Stunden Betriebszeit schon wieder gewechselt werden müssen Abhilfe bietet eine Akkuversorgung: Es gibt die Batterien in wiederaufladbarer Form, ganz ähnlich, wie wir das von anderen Batteriegetriebenen Geräten kennen. Und es gibt von einzelnen Herstellern auch Hörgeräte mit integriertem Akku. Hier muss nichts gewechselt werden, der Akku hat eine Laufzeit von mindestens 12 Stunden und kann bequem über Nacht wieder aufgeladen werden. Kleiner Wermutstropfen: Die Geräte mit integriertem Akku sind derzeit noch ein bisschen größer als die herkömmlichen Hörgeräte.
 

Das sollten Sie sich vor dem Gang zum Hörgeräteakustiker überlegen

  • Wann, in welchen Situationen schränkt Sie das schlechtere Hören ein? Wann also soll das Hörgerät unbedingt getragen werden? In welchen Momenten und Situationen wollen Sie also besser hören?
  • Soll das Gerät auch im Beruf getragen werden, ist also bspw. eine Vernetzung mit modernen Geräten wie Telefon, Mobiltelefon etc. nötig?
  • Gibt es extreme Anforderungen? Z.B. Sport (Schwitzen, ggf. Schwimmen), arbeiten Sie unter besonderen Umweltbedingungen (z.B. Staub, Nässe, Hitze)?
  • Macht die Technik eher Angst, bin ich bereit, mich darauf einzulassen, mich damit zu beschäftigen?
  • Spielt der kosmetische Aspekt eine Rolle?
 

Wieder gut zu hören braucht Zeit

Bei Neuanpassung sollten Sie das Gerät anfangs acht Stunden am Tag tragen, zunächst in einfachen Situationen ohne Nebengeräusche, im Gespräch mit nur einer Person, rät Hörgeräteakustikerin Tanja Di Mauro. Denn der Kopf, also das Hirn, muss erst einmal alle Signale verarbeiten, und sich an die neue Hörsituation gewöhnen. Dann sollte man die Schwierigkeitsstufe steigern, das Gerät auch in geräuschvoller Umgebungen oder einer Partysituation ausprobieren. Zudem gibt es einige typische Hörsituationen, in der Sie die verschiedenen Hörgeräte unbedingt ausprobieren sollten:
  • An einer viel befahrene Straße - lässt sich die Gefahr durch herannahende Autos erkennen?
  • Beim Telefonieren mit Familie oder Freunden; versuchen Sie ein längeres Gespräch.
  • Zu Hause vor dem Fernseher; wer gerne ins Theater oder in die Oper geht, unbedingt auch dort. Denn oft verschmelzen Hauptton und Nebengeräusche miteinander und lassen sich so kaum unterscheiden, oder hören sich Orchester und Sänger scheppernd und blechern an.
  • Tragen Sie die Hörhilfen in gut besuchten Lokalen. Wie kommen Sie mit dem Geräuschpegel zurecht, ist konzentriertes Zuhören wirklich möglich?

Ganz wichtig: Wenn Sie sich nicht gut beraten fühlen, Ihre Fragen nicht vollständig beantwortet wurden, Sie mit dem Gerät eigentlich nicht zurechtkommen, bitte nicht damit abfinden! Wie bei anderen Gesundheitsproblemen lohnt es sich auch hier, eine zweite Meinung einzuholen. Auf keinen Fall das Hörgerät in einer Schublade verschwinden lassen, sondern unbedingt nochmal zum Akustiker gehen, das Gerät nochmals anders einstellen lassen! Es kann manchmal Monate dauern, bis Hörgerät und Patient "zueinander passen".
 

Die Qual der Wahl – Hörgeräte

Der Markt an Hörgeräten ist für den Laien unübersichtlich, längst gibt es mehr als 2.000 unterschiedliche Modelle, die zudem höchst unterschiedliche Funktionen und Möglichkeiten haben. Auch die Preise für die Geräte sind höchst verschieden, was nicht zuletzt deshalb wichtig ist, weil die gesetzlichen Krankenkassen nur einen Teil der Kosten übernehmen, im Durchschnitt etwa 700 Euro pro Hörgerät. Die unterschiedlichen Hörgeräte lassen sich grob in vier Klassen einteilen:

1. Basis-Hörsystem
Auch als so genannte Kassenmodelle bekannt. Die Technische Ausstattung ist einfach, aber solide und für den Patienten ist pro System nur eine Zuzahlung von zehn Euro fällig. Einfache, aber digitale Verstärkertechnik ist in dieser Klasse heute Standard, allerdings hat das Gerät deutliche Schwächen in schwierigen Situationen, bspw. in einem Gespräch mit mehreren Personen. Für Kassengeräte gelten seit November 2013 unter anderem diese Mindestanforderungen: Volldigitale Signalverarbeitung, 4 Kanäle, 3 Hörprogramme, Störschallunterdrückung, Rückkopplungsunterdrückung.
2. Mittelklasse-Hörsystem
Komfortables Hören in allen gängigen Hörsituationen. Die Geräte besitzen eine digitale Signalverarbeitung, die Verstärkersysteme arbeiten in mehreren Kanälen parallel, es gibt eine leistungsfähige Rückkopplungsunterdrückung. Solche Hörsysteme besitzen mehrere Kanäle und i.d.R. mind. zwei Hörprogramme, also für eine ruhigere und eine lautere Umgebung. Die Hörsysteme werden nicht komplett von den Kassen bezahlt, im Durchschnitt muss der Patient bis zu etwa 1.200 Euro pro Ohr zuzahlen.
3. Oberklasse-Hörsystem, so genannte High End Geräte
Sie arbeiten mit mehreren Richtmikrofonen, reduzieren im Vorfeld viele Störgeräusche und bieten reichlich Zusatztechnik für besondere Hörsituationen. Geräte dieser Gruppe besitzen eine volldigitale Verstärkertechnik, komplexe Signalverarbeitung mit digitalen Algorithmen hinsichtlich Lautstärke und über alle Tonhöhen, mehrere Hörprogramme für unterschiedliche Situationen. Diese Technik aber kostet und bedeutet für den Patienten eine durchschnittliche Zuzahlung von bis zu 2.000 Euro pro Hörsystem.
4. Spitzenklasse Hörsysteme
Technisches Optimum zum Zeitpunkt der Markteinführung, hier finden sich immer zuerst so genannte >Technologien der Zukunft<. Und das kostet; meist liegt der Eigenanteil je Hörsystem bei über 2.000 Euro. In diese Gruppe gehören auch die so genannten Hörlinsen, auch als >Kontaktlinsen für das Ohr< bezeichnet (syn. noch: In-dem-Ohr-Hörsysteme (IdO-Hörsysteme) oder Gehörgangs-Geräte (in-the-canal oder cic=completly-in-the-canal-Hörsysteme). Diese Hörgerate werden vom Hörgerate-Akustiker angepasst und verbleiben bis zu vier Monate im Gehörgang. In der Regel wird die Linse und der zugehörige Service im Abonnement verkauft und kostet monatlich 140 bis 160 Euro. Die Kasse zahlt hierzu nichts.

Eine gute Übersicht über die Finanzierung durch die Krankenkassen und Sozialhilfeträger finden Sie hier:
www.hoerkomm.de/hilfsmittel-fuer-zuhause.html
www.schwerhoerigen-netz.de/MAIN/ratg.asp?inhalt=HOERGERAETE/richtlinie
 

Kontaktadressen

Deutscher Schwerhörigenbund e. V. (DSB)
Bundesverband der Schwerhörigen und
Ertaubten
Sophie-Charlotten-Str. 23A
14059 Berlin
Telefon: 030-47541114
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.schwerhoerigen-netz.de

Deutsche Gesellschaft der Hörgeschädigten - Selbsthilfe und Fachverbände e.V.
Johannes-Wilhelm-Geiger-Weg 8
24768 Rendsburg
Telefon: 04331-589750
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.deutsche-gesellschaft.de

Deutscher Berufsverband der
Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V.

Haart 221
24539 Neumünster
Telefon: 04321-97250
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
oder: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.hno-aerzte.de

Fachverband Deutscher Hörgeräteakustiker e. V.
Waisenhausdamm 5
38100 Braunschweig
Telefon: 0531-1218793
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.fdh-ev.de
oder: wirsindhoeren.de

Autorin: Eva Maria Siefert